Re: Evolution? Natur? Weltordnung? Gott?
Geschrieben von Ahmet am 13. April 2000 18:00:43:
Als Antwort auf: Re: Evolution? Natur? Weltordnung? Gott? geschrieben von huhngesicht am 11. April 2000 00:13:50:
Hallo Huhngesicht,
>> Hier unterscheiden wir uns, indem was wir fuer wahrscheinlich halten. Ich
>> wuenschte mir sehr, dass Du recht hast, es laesst auf die "ideale" Welt hoffen.
>> Hier erlebe ich ein gewisses Paradoxon. Ich halte diese Annahme nicht fuer
>> wahrscheinlich, weil kein logisches Argument dafuer spricht. Aber grotesker
>> Weise glaube ich es auch. Ich moechte nicht missverstanden werden, ich
>> glaube dies (ich habe einstarkes Gefuehl, das ich nicht loswerde) aber ich
>> gehe nicht davon aus, dass dieses Gefuehl gerechtfertigt ist. Das ist etwas
>> kompliziert, ich hoffe, Du verstehst mich.
Die Logik hat es Dir angetan. Logisch erklären kann ich Dir diese Situation nicht. Ich könnte höchstens noch ein Beispiel machen, um Dir diese Situation aus einem praktischen Beispiel etwas näher zu bringen. Also stell Dir vor Du sitzt im fliegenden Flugzeug und plötzlich sagt der Captain der Maschine, das Flugzeug sei am Abstürzen. Was genau geht dann in deinem Innern vor? Was denkst Du in einem solchen Augenblick? Stell Dir nun diese Situation auf dem Balken noch einmal vor.
>> Zureuck zum Juengsten Gericht. Der Mensch aber, der fuer seine kranken
>> Kinder ein Medikament gestohlen hat, wird nicht vom Balken fallen, denn er
>> hat keine Schuldgefuehle. Und die Menschen haben Verstaendnis. Aber genau
>> hier liegt ein wesentliches Problem. Es gibt Situationen in denen das
>> Gefuehl nicht funktioniert.
Also bei diesem Beispiel könnte ich noch vertreten, dass die Schuldgefühle in den meisten Fällen zwar da sind, aber der Verstand und Herz, dass es um das Leben eines Menschen geht, diese Tat (Stehlen) zulässt. Genauso in der Gesellschaft. Auch das Lügen hat solche Züge. Im 9. Gebot heisst es, du sollst nicht Lügen(falsch Zeugnis ablegen). Aber wer hat schon noch nie gelogen!?. Da sehe ich es ähnlich. Wenn man lügt, um eine Überraschung zu machen, und dabei keinem was zu Leide tut, so ist es für mich o.k.
>> Ich konstruiere ein extremes Beispiel. Ein schlechter vielleicht auch
>> psychisch kranker (selbst ein Opfer) Mensch vergewaltigt und ermordet meine
>> Frau. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass mein Wunsch nach Vergeltung, weil
>> ich mein Leid nicht ertrage oder die Schlechtigkeit, die dieser Mensch fuer
>> mich verkoerpert nicht ertragen kann, Selbstjustiz uebe und den Menschen
>> toete.
Das ist ein sehr heikles Thema. Aus meinem Gefühl heraus würde ich hier und jetzt sagen oder raten, es wäre richtig diese Rache nicht auszuüben, mit den Gedanken, es wird schon auf den Mörder zurückkehren (Gott wird ihn schon bestrafen). Aber wie gesagt, das sage ich jetzt. Was in wirklichkeit geschehen würde, das kann ich nicht antworten. Bei einfacheren Fällen kann ich zu dem stehen, aber dieses Beispiel ist schon zu sehr speziell, das ich nicht ohne Erfahrung etwas behaupten möchte. Die Selbstverteidigung finde ich aber schon o.k. Das heisst, wenn Dein eigenes Leben gefärdet ist, so sollst Du dich in diesem Momment wehren. Das ist für mich eine natürliche Handlung. Und wenn nun eine ganze Familie betroffen würde, so würde sich wohl jeder für diese Familie (als Ganzes) einsetzen.
>> Ich wuerde am Tag des Juengsten Gerichtes erhobenen Hauptes bar jeder Schuld
>> ueber den Balken gehen, somit nicht fallen. Aber grundsaetzlich sagt mir
>> Vernunft und Gefuehl, dass Selbstjustiz auch Todesstrafe sozial schaedlich,
>> falsch und gottabgewandt sind, die Gesellschaft also alles tun sollte, dies
>> zu verhindern.
Ich glaube der Stolz würde in einer solchen Situation nicht über dem Gefühl des Herzen stehen können (denk an das abstürzende Flugzeug).
>> Zu Schlange und Hund, die Naturwissenschaft kommt in diesem Fall Deinem
>> Modell entgegen. Es gilt als wissenschaftlich abgesichert, dass Leben nur
>>einmal entstanden ist, das Grundgeruest (die Gene) sind ueberall gleich.
>> Alles Leben ist aus einer Urzelle enstanden (die koennte der goettliche
>> Zeugungsakt sein, bei dem das Entstehungspotential z.B Hund den Genen
>> beigefuegt wurde. Hund und Schlange sind uebrigens "relativ" eng verwandt.
>> Schlangenverwandte sind Ursprung der Saeuger (wie der Hund). Das ist sehr
>> vereinfacht, aber ich will nicht verwirren.
Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Es ist mir nun etwas klarer, aber wenn ich das richtig verstanden habe, so gab es ein Urtier, und aus diesem sind alle Tiere entstanden. Oder verstehe ich das jetzt falsch? Ich dachte, die Grund-Tierarten seien getrennt entstanden, und aus ihnen gab es dann durch die Evolution angepasste Unterarten. Kannst Du mir das bestätigen? Oder kann man das in der Wissenschaft gar nicht nachweisen?
>> Jetzt der Punkt, mit dem ich die groessten Schwierigkeiten habe: die
>> scheinbare Ordnung, die Du siehst. Die Natur kann Produkt aus Zufall und
>> physikalischen Gestzen sein, ich sehe zu meinem Bedauern keinen
>> Anhaltspunkt, der etwas anderes annehmen laesst. Man koennte die
>> physikalischen Gesetze Gott nennen, aber ehrlich gesagt, scheint mir das
>> eher semantisch als inhaltlich interessant. Wuerde die Natur ein
>> begeisterndes ideales Gefuege darstellen (ganz nach Gefuehl), koennte ich
>> vielleicht eine goettliche Ordnung entdecken. Aber vieles funktioniert
>> gerade so irgendwie oder richtig schlecht, weil es Glueck gehabt hat, nicht
>> rausselektiert zu werden. Jetzt koenntest Du mir vorhalten, die
>> Grossartigkeit nicht zu erkennen. Aber warum sollte das so sein. Ich habe
>> mich aus beruflichen Gruenden sehr intensiv mit der Natur
>> auseinandergesetzt. Praktisch alle Bereiche sind fragwuerdig (Funktion,
>> Effizienz, Qualitaet, Aesthetik). Wenn die Natur so unvollkommen ist (selbst
>> wenn es mir liegt, warum kann ich die Perfektion nicht erkennen?), was ist
>> dann mit der Quelle Gott?
Also, da haben wir warscheinlich wirklich ein anderes Objektiv aufgesetzt. Ich kann Dich schon verstehen, wäre bei mir vielleicht auch so, wenn ich beruflich alles ausseinander nehme. Ich nehme aus der Natur halt nur das wahr, was für mich nicht logisch ist. Das heisst, es ist für mich etwas grosses, wenn ich sehe, wie z.B. die Mäuse sich nicht übermässig in der Anzahl vermehren können, nur weil es etwas wie Inzucht gibt. Ist vielleicht nicht gerade ein Musterbeispiel, habe aber gerade kein anderes auf Lager, sorry. Es gibt viele solcher Beispiele, die mir eigentlich sagen, das da ein System dahinter steckt. Ob jetzt das sich positiv für eine Art entscheidet oder nicht, da glaube ich, das ist die Lebensweise, die es ausmacht.
Gruss
Ahmet
>> Huhngesicht