Re: Evolution? Natur? Weltordnung? Gott?

Ursprünge der Religionen

Geschrieben von huhngesicht am 11. April 2000 00:13:50:

Als Antwort auf: Evolution? Natur? Weltordnung? Gott? geschrieben von Ahmet am 10. April 2000 21:24:15:

Ahmet,
zuerst nochmal zu Glaube und Emotion. Ich nehme an Dich richtig verstanden. Du willst sagen, der geistig gesunde "gute" gottzugewandte Mensch fuehlt, was richtig und was falsch ist. Selbst ein Dieb fuehlt in seinem tiefsten Innern, das sein Tun nicht richtig ist, lebt aber warum auch immer auf unnatuerlich gottabgewandte Art (Gott, die Natur gab ihm den freien Willen dazu). Dies wird dann auch beim Juengsten Gericht deutlich. Nicht ein personifizierter Gott oder eine aeussere Kraft stossen ihn von der Balken. Er stuerzt wegen Schuldgefuehlen.
Hier unterscheiden wir uns, indem was wir fuer wahrscheinlich halten. Ich wuenschte mir sehr, dass Du recht hast, es laesst auf die "ideale" Welt hoffen.
Hier erlebe ich ein gewisses Paradoxon. Ich halte diese Annahme nicht fuer wahrscheinlich, weil kein logisches Argument dafuer spricht. Aber grotesker Weise glaube ich es auch. Ich moechte nicht missverstanden werden, ich glaube dies (ich habe einstarkes Gefuehl, das ich nicht loswerde) aber ich gehe nicht davon aus, dass dieses Gefuehl gerechtfertigt ist. Das ist etwas kompliziert, ich hoffe, Du verstehst mich.
Zureuck zum Juengsten Gericht. Der Mensch aber, der fuer seine kranken Kinder ein Medikament gestohlen hat, wird nicht vom Balken fallen, denn er hat keine Schuldgefuehle. Und die Menschen haben Verstaendnis.
Aber genau hier liegt ein wesentliches Problem. Es gibt Situationen in denen das Gefuehl nicht funktioniert. Ich konstruiere ein extremes Beispiel. Ein schlechter vielleicht auch psychisch kranker (selbst ein Opfer) Mensch vergewaltigt und ermordet meine Frau. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass mein Wunsch nach Vergeltung, weil ich mein Leid nicht ertrage oder die Schlechtigkeit, die dieser Mensch fuer mich verkoerpert nicht ertragen kann, Selbstjustiz uebe und den Menschen toete. Ich wuerde am Tag des Juengsten Gerichtes erhobenen Hauptes bar jeder Schuld ueber den Balken gehen, somit nicht fallen. Aber grundsaetzlich sagt mir Vernunft und Gefuehl, dass Selbstjustiz auch Todesstrafe sozial schaedlich, falsch und gottabgewandt sind, die Gesellschaft also alles tun sollte, dies zu verhindern.
Hier ist also eine Diskrepanz zwischen Gruppen - und Individualgefuehl.
Nicht selten lassen sich auch viele andere Menschen hinreissen und fuehlen mit dem der Selbstjustiz uebt, aber geht man tief insich, sucht nach dem wirklich guten Gefuehl, sollte man Mitleid mit dem Taeter haben, der selbst Opfer seiner Gottabgewandheit ist.
Zu Schlange und Hund, die Naturwissenschaft kommt in diesem Fall Deinem Modell entgegen. Es gilt als wissenschaftlich abgesichert, dass Leben nur einmal entstanden ist, das Grundgeruest (die Gene) sind ueberall gleich. Alles Leben ist aus einer Urzelle enstanden (die koennte der goettliche Zeugungsakt sein, bei dem das Entstehungspotential z.B Hund den Genen beigefuegt wurde.
Hund und Schlange sind uebrigens "relativ" eng verwandt. Schlangenverwandte sind Ursprung der Saeuger (wie der Hund). Das ist sehr vereinfacht, aber ich will nicht verwirren.

Jetzt der Punkt, mit dem ich die groessten Schwierigkeiten habe: die scheinbare Ordnung, die Du siehst. Die Natur kann Produkt aus Zufall und physikalischen Gestzen sein, ich sehe zu meinem Bedauern keinen Anhaltspunkt, der etwas anderes annehmen laesst. Man koennte die physikalischen Gesetze Gott nennen, aber ehrlich gesagt, scheint mir das eher semantisch als inhaltlich interessant.
Wuerde die Natur ein begeisterndes ideales Gefuege darstellen (ganz nach Gefuehl), koennte ich vielleicht eine goettliche Ordnung entdecken. Aber vieles funktioniert gerade so irgendwie oder richtig schlecht, weil es Glueck gehabt hat, nicht rausselektiert zu werden. Jetzt koenntest Du mir vorhalten, die Grossartigkeit nicht zu erkennen. Aber warum sollte das so sein. Ich habe mich aus beruflichen Gruenden sehr intensiv mit der Natur auseinandergesetzt. Praktisch alle Bereiche sind fragwuerdig (Funktion, Effizienz, Qualitaet, Aesthetik). Wenn die Natur so unvollkommen ist (selbst wenn es mir liegt, warum kann ich die Perfektion nicht erkennen?), was ist dann mit der Quelle Gott?
Huhngesicht

>Hallo Tina (Lina,Lisa?), Hallo Huhngesicht,
>Du(Tina) fragst Dich, warum so viele Menschen sich an Gott berufen. Ich frage Dich nun, würdest Du dich zur Natur berufen? Das Deutsche Wort Gott(althochdeutsch: anrufen), welches von so vielen Menschen verehrt wird, wurde aus dem Hebräischen Wort J-H-W-H übernommen, welches ursprünglich wiederum als "höchste Weltordnung" übersetzt wurde. Diese Weltordnung gilt gemäss Thora, Bibel, Rigveda und Koran als Schöpfer der Welt, dem die Attribute Unendlichkeit, Unveränderlichkeit, Ewigkeit, Güte, Wissen (Allwissenheit) und Macht (unberechenbar) zugeschrieben werden. Ich möchte da kein Bildnis schaffen, aber könntest Du dir nicht vorstellen, das die Natur mit Gott in Verbindung steht, oder sogar das gleiche bedeutet? Ich finde es jedenfalls wichtig, sich der Natur zu berufen. Auch die Evolution ist ein Teil der Natur. Wo aber begann die Evolution? In der Bibel steht, jedes Lebewesen wurde von Gott gezeugt. Jedes nach seiner Art. Die Artenvielfalt der Lebewesen auf unserer Erde ist sehr gross. Alle Arten haben sich mit der Evolution den neuen Gegebenheiten angepasst. Aber gibt es wirklich eine biologische Verbindung zwischen den Arten(Gott schuf sie alle nach ihrer Art)? Hat eine Schlange etwas gemeinsames mit einem Hund? Ich kenne mich in der Naturwissenschaft nicht so sehr gut aus. Da kannst Du, Huhngesicht sicher die richtige Antwort bringen. Wie siehst Du das?
>Was ich auch nicht ganz sehe, was genau regelt gemäss Naturwissenschaft die Natur? Warum passt alles so gut zusammen? Ist das nicht auch diese Weltordnung (JHWH)? Was meint da die Wissenschaft? Mit der Zeit wurde diese Weltordnung halt personifiziert, woraus dann diese vielen einzelnen Ordnungen(Persönliche Götter und ihre Religionen) entstanden. Diese hatten aber die Ordnung der Welt nicht mehr im Griff. Die Tiere aber leben weiterhin nach dieser Weltordnung. Sie sind doch dieser Ordnung ergeben? Sie tun das, was die Ordnung der Welt will, oder?
>Die Art Mensch hat die Aufgabe, bewusst (mit Bewusstsein) zu Handeln, damit diese Weltordnung nicht verloren geht. Den Gott gab dem Menschen alles, was Gott geschaffen hat (gem. sehr alten heiligen Schriften). Der Mensch soll darüber Herrschen, wobei dieses Wort "herrschen" im alten Orient als führen oder lenken verstanden wurde. So, wie es schon die Aborigines aus Australien taten. Es war typisch für die Völker jener Zeit, dass sie nur das von der Natur holten, was sie auch später erneut holen konnten (nicht schädigte).
>Gruss
>Ahmet





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