Re: zu Siddartha (Buddha)

Die Ewige Religion

Geschrieben von Ahmet am 28. Januar 2001 13:48:41:

Als Antwort auf: Nina2 geschrieben von Buddhismus am 27. Januar 2001 17:46:50:

Hallo Nina2,

>> mir ist aufgefallen, dass Religion in diesem Forum meist mit Christentum oder Islam gleichgesetzt wird.

Eigentlich ist in diesem Forum sehr viel auch über buddhistische Elemente gefallen. Sie sind vielleicht nicht gleich erkennbar. Die Grundwerte des Menschen werden in allen Religionen gleich verstanden. Die 10 Gebote sind auch für sie gültig. Der Buddhismus unterscheidet sich nur in der Art, weil es eben in dieser Gegend eine etwas andere Vorgeschichte gibt. Als Siddartha(Buddha) vor ca. 500 v.Chr. zu wirken begann, waren bereits mehrere 100 Jahre eine grosse Veränderung im Gange. Die Macht der Brahmanen über die damalige Gesellschaft brachten neue Lehren und Gesetze. Eines davon ist die Lehre der Reinkarnation, wo man glauben musste, dass man wiedergeboren werde. Aus dieser Lehre entwickelte sich dann auch das Karmagesetz, wo die Menschen in ein System gepresst wurden, wo es hiess, der Verstorbene nähme einen Rucksack mit seinen begangenen Sünden mit ins nächste Leben. Damit wurde die Gesellschaft gespalten und in Hierarchien eingeteilt. Diese Hierarchie besteht trotz dem Verbot noch heute in Indien (Kastensystem).

Aber wie kam es denn zu dieser Veränderung um 700 v.Chr.? Um etwa 1500 v.Chr. wurden die Göttlichen Regeln und Lieder von Weisen niedergeschrieben. Diese wurden Veden (Rigveda) genannt. Mit diesen Regeln unterschied sich diese Gesellschaft nicht mit dem damaligen westlichen Religionen. Erst nach vielen Generationen wurden die ältesten Schriften(RigVeda) neu kommentiert. Daraus entstanden neue Schriften mit dem Titel Upanischaden. Um ca. 700 v.Chr. gelang es nun den brahmanischen Machthabern, diese neuen Kommentare zu den älteren Schriften zu zählen. Wenn man heute von den Veden spricht, so ist der Inhalt der Upanischaden bevorzugt und damit die damals neuen Elemente wie Reinkarnation oder Karma die Regel.

Siddartha gefiel das aber ganz und gar nicht. Er war für Gerechtigkeit auf allen Ebenen der Menschheit, wie es die Rigveda lehrte. Kein Mensch soll einem anderen unterlegen oder überlegen sein. Das führte dazu, das er das Priestertum verweigerte, die Kasten, somit auch die Karmalehre und die Reinkarnation als ungültig erklärte. Er lehrte den Menschen, sich von der Religion zu lösen und Selbst die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Da die Gesellschaft jedoch nicht von heute auf morgen diese Leidenbringenden Lehren beenden konnten, nannte er diese, die ihm nicht folgten "Im Kreislauf der Wiedergeburten gefangene"(das Wort in Sanskrit fällt mir zur Zeit nicht mehr ein). Die anderen, welche ihm folgten waren die Erleuchteten. Das ist die Version, wie es in den Pali-Texten(älteste Buddhistische Schriften) ersichtlich ist. Heute gibt es natürlich unzählige buddhistische Versionen, die man tatsächlich als Religion sehen kann.

>> Für das Thema des Forums halte ich den Buddhismus aus folgendem Grund für interessant: hier ist nämlich eindeutig die Religion wichtiger als die Frage nach Gott (die ja offen gelassen wird).

Du hast schon recht, wenn Du den heutigen Buddhismus betrachtest. Ich aber würde die Worte Siddarthas als Grundlage sehen. Das würde also heissen, man soll die Eigenverantwortung nicht einer Institution überlassen, sondern selbst verwalten, in dem man sich nicht einer Religion unterwirft.

>> Nach buddhistischer Ansicht kann die Praxis des Dharma (buddhistische Lehre) die spirituelle Entwicklung fördern (und vielleicht zur Erleuchtung führen), egal ob man an Gott glaubt oder nicht.

Das ist schon richtig. Auch ein Atheist kann ein guter Mensch sein, wenn er die Grundwerte des Menschen fühlt und damit umgehen kann. Dazu braucht auch er keinen Gott. Ich hoffe einfach, dass auch diese vor Gottes Gericht kommen und nicht vor ein menschliches Gericht.

>> Und wenn man mal davon ausgeht, dass eine derartige spirituelle Entwicklung möglich ist (es muss ja nicht gleich Erleuchtung sein :-)), dann erscheint tatsächlich die Religion wieder sehr wichtig. Einen solchen Weg alleine zu gehen, ohne eine Gemeinschaft und ohne eine "Lehre" als Anhaltspunkt erscheint mir nämlich sehr sehr schwierig (obwohl auch das aus buddhistischer Sicht möglich ist).

Alleine? Dafür ist doch Gott für dich da? Ich finde, wer einen Weg in einem System (Religion) aus eigenem Willen bevorzugt, der soll das auch tun. Denn wenn man überzeugt ist, so kann das nur negative Folgen haben, wenn man wegen jemand anderem etwas an sich ändert. Wenn man aber nach den Geboten lebt, so ist ganz klar Gott derjenige, der wenn überhaupt, der als Anhaltspunkt zu sehen ist.

>> Die Frage nach Gott erscheint dagegen erst mal nicht so besonders wichtig. Voraussetzung ist allerdings, dass die Religion, der man folgt (der Buddhismus erhebt da bekanntlich keinen Alleingültigkeitsanspruch), die Verblendung nicht noch erhöht (möchte ich niemanden unterstellen!).

Also ich persönlich sehe die Zehn Gebote als Ursprung Gottes. Das erste Gebot sagt mir, dass ich nur Gott diehnen soll (Wenn überhaupt jemandem). Das zweite Gebot sagt mir, dass ich mich nichts auf dieser Erde niederwerfen soll. Genau das sagt auch Siddartha (Quelle Pali-Texte).

Viele Grüsse
Ahmet

>> Nina2




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