Nina2

Die Ewige Religion

Geschrieben von Buddhismus am 27. Januar 2001 17:46:50:

Hallo zusammen,

mir ist aufgefallen, dass Religion in diesem Forum meist mit Christentum oder Islam gleichgesetzt wird. Zwar bin ich keine Spezialistin für den Buddhismus, aber ich werde trotzdem mal versuchen eine entsprechende Perspektive einzubringen.

Was die Frage nach der Existenz Gottes angeht ist der Buddhismus bekanntlich agnostisch. Buddhisten müssen nicht an Gott glauben, aber verboten ist es ihnen auch nicht. Anstatt Gott, steht in dieser Religion der Mensch im Mittelpunkt. Es geht um die spirituelle Weiterentwicklung des Menschen bis hin zum obersten Ziel, der Erleuchtung (ob das tatsächlich möglich ist, lasse ich mal offen :-)). Erleuchtung bedeutet auch die Befreiung vom Leiden, das aus buddhistischer Sicht vor allem aus Gier, Hass und Verblendung entsteht. Um das Ziel zu erreichen, wurden verschiedenen Methoden entwickelt, wie die Meditation. Hierbei geht es z.B. um die Entwicklung von Mitgefühl für alle Lebewesen oder des Bewusstseins, dass nichts wirklich dauerhaft von Bestand ist (es also auch nichts nutzt, sich an Besitz zu klammern). Es gibt auch verschiedene "Gebote" - allerdings weniger als im Christentum und sie haben auch keinen so zwingenden Charakter. Die meisten Buddhisten betrachten sie eher als Empfehlungen (wenn man sie einhält, wird der Weg zur Erleuchtung leichter) und nicht als unverrückbare Gesetze.

Für das Thema des Forums halte ich den Buddhismus aus folgendem Grund für interessant: hier ist nämlich eindeutig die Religion wichtiger als die Frage nach Gott (die ja offen gelassen wird). Nach buddhistischer Ansicht kann die Praxis des Dharma (buddhistische Lehre) die spirituelle Entwicklung fördern (und vielleicht zur Erleuchtung führen), egal ob man an Gott glaubt oder nicht.

Und wenn man mal davon ausgeht, dass eine derartige spirituelle Entwicklung möglich ist (es muss ja nicht gleich Erleuchtung sein :-)), dann erscheint tatsächlich die Religion wieder sehr wichtig. Einen solchen Weg alleine zu gehen, ohne eine Gemeinschaft und ohne eine "Lehre" als Anhaltspunkt erscheint mir nämlich sehr sehr schwierig (obwohl auch das aus buddhistischer Sicht möglich ist). Die Frage nach Gott erscheint dagegen erst mal nicht so besonders wichtig. Voraussetzung ist allerdings, dass die Religion, der man folgt (der Buddhismus erhebt da bekanntlich keinen Alleingültigkeitsanspruch), die Verblendung nicht noch erhöht (möchte ich niemanden unterstellen!).

Viele Grüsse,
Nina2




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