Wort und Bild - Erfahrung und Verhärtung
Geschrieben von elcappuccino am 29. November 2002 22:41:52:
Als Antwort auf: Re: Bin ein bisschen misstrauisch! geschrieben von Peter am 28. November 2002 17:53:29:
Hallo, Cappuccino,
ja, so ist es auch bei mir.
Ich mag keine "Ismen", kann mich in ihnen nicht wohlfühlen, finde mich dort nicht wieder.
Ich war früher katholisch, vor 25 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten, war dann jahrzehntelang Atheist, und bin nun auf einem Weg, den ich als "Suche" bezeichnen möchte. Da stört jeder "Ismus".
Ich glaube, daß es Gott gibt, aber "wie" und "was" er ist, das können wir Menschen meiner Meinung nach sowieso niemals einwandfrei ergründen. Im Gegenteil: MEINER Meinung und MEINER Erfahrung nach führt jede "Definition" Gottes nur von ihm weg. Ich glaube, man kann mich durchaus einen "Christen" nennen, auch wenn ich das meiste, das die Konfessionen lehren, nicht verstehen und vieles auch nicht glauben kann.
Aber man kann Gott MEINEN und ERFAHREN. Also meine Erfahrung innerhalb von Gottes Wirklichkeit....
Ahmed legt wert darauf, man soll sich kein Bild von Gott machen. Dennoch reden wir aus unseren Erfahrungen und Meinungen über Gott, und dies sind auch Bilder.
Vielleicht berührt das Problem um das Bildnis von Gott unser eigenes Sein. Ist denn Erfahrung nicht immer etwas Neues? Wenn wir in Erfahrung erstarren, dem Meinem als "das bin Ich", dann erstarrt unser Bild, mitunter unsere Erfahrung von Gottes Wirklichkeit, die dann nicht mehr wirken darf, sondern sich nur noch als etwas Vergangenes beständig als Bild reproduzieren darf.
Ist es nicht dasselbe mit den Ismen, dass sie erstarrt sind, sich selbst permanent wiederholen in Dogmen und Statuten? Ist das Problem mit dem Bild das Bild selbst, oder das erstarren des Bildes, das damit tot wird?
Gott schuf den Menschen nach seinem Bildnis. Und dennoch sollen wir über dieses Bildnis kein definitives Urteil bilden, weil wir damit uns selbst definitiv beurteilen und verurteilen....
Wir können nicht über Gott reden, ohne dass wir Symbole, Bilder und Vorstellungen verwenden. All unser Reden über Gott ist bildhaft, gleichnishaft, verhaftet in den kleinen Götzenbildchen unseres Denkens. Und das Wort Gottes will doch weitergegeben werden. Das Wort Gottes will doch unter den Menschen wohnen.
Wie vermeiden wir Schuld, da wir doch Gott zu fassen suchen mit etwas, was ihn nicht fassen kann? Wir können es nicht. Permanent sind wir versucht. Es heisst, man soll sich kein Bild von Gott machen. Könnte es aber nicht auch heissen: man soll sich kein Wort von Gott machen?
Was könnte dies für ein Wort sein, das ihn fasste?
Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott
Mit einem solchen Dreisatz beginnt Johannes seine Botschaft, von dem Wort, das wir nicht begreifen.
Wie gehen wir mit Worten um?
Hier war kürzlich die Rede von MEIN, MEINEM, (d)einer Religion. Was sind wir. Mit welchen Worten versuchen wir uns selbst ein Bild von uns Selbst zu machen?
Ist es nicht so, dass das Gebot eine Erfahrung für uns Menschen ausspricht. Derweil man in der Welt begehrt, etwas zu sein, sich einen Namen zu machen, begrenzt es uns und beengt es uns, und stiehlt uns am Ende unsere Erfahrung und unser Leben.
Am ehesten finde ich Gott noch in mir selbst, in meinem Tiefsten, als eine Art "Inneres Licht", das unauslöschbar und unsterblich ist. Und gerne finde ich Gott auch im "Vater", als den Jesus Christus ihn glaubte.
Einen schönen Abend
Peter
Eine besinnliche Zeit
und ein Licht in der Dunkelheit wünscht Dir
