praktische Vernunft - Liebe

Die Ewige Religion

Geschrieben von elcappuccino am 04. Dezember 2002 13:51:12:

Als Antwort auf: Re: Verzeiflung - Imanuel Kant - Selbstbeobachtung geschrieben von Ahmet am 03. Dezember 2002 22:30:41:

Ich wusste gar nicht, dass Imanuel Kant solche Gedanken hatte. Es hat aber schon etwas an sich. Eigentlich wäre die Welt ganz anders, wenn die Zehn Gebote von allen Menschen verstanden würden. Der Mensch kann die Gebote zwar mit Hilfe der Vernunft geschaffen haben. Jedoch halten kann es der Mensch trotzdem nicht. Warum wohl?

Ja Ahmet, waum wohl...
Wir wollen aber zuerst nochmals auf die praktische Vernunft zu sprechen kommen.
Können wir denn sagen, dass die praktische Vernunft uns nur zu Geboten führt, welche die Form: du sollst nicht... annimmt?

Die praktische Vernunft ist nicht gerichtet. Sie lebt lediglich vom Gleichnis, der Fähigkeit, unser Handeln im anderen zu verstehen, von dem Begegnenden zu lernen.
Sie sagt uns aber nicht "wie".

Dazu ein Beispiel: es herrscht Brotmangel.
Zwei Verhaltensmöglichkeiten:
- wir bringen einander um, damit der stärkste das Brot hat
- wir teilen das Brot

Beide Möglichkeiten sind aus der praktischen Vernunft geerbt, und zu beidem wirst du aus dem Leben Beispiele finden.

So finden wir in der Bibel Befehle Gottes an die Israeliten, welche dem Gebot der Nächstenliebe widersprechen (z.B. die Ausrottung der Völker und der Götzen, der Bann)

Jesus aber sagt: "Liebe...., daran hängen das ganze Gesetz und die Propheten."
Wenn wir die Liebe nicht haben, nützen auch die 10 Gebote nichts.

Warum können wir uns nicht daran halten:
Ahmet ich sage dir: im Himmel halten sie die 10 Gebote und in der Hölle halten sie die 10 Gebote, und an beiden Orten wirst du sie des Bruchs der 10 Gebote im Wortlaut überführen.
Die Gebote zu verstehen, ist Sache des Verstandes, der sie aber auch praktisch ad absurdum führen kann.

Ein Gebot aber zu finden (nicht zu formulieren) ist eine Sache des Lebens. Und hier stellt sich die Frage: wie findest du es.

Wenn uns die Welt als Gleichnis begegnet, so ist sie ein Spiegelbild.
Zu jedem Spiegelbild könenn wir uns verhalten (emotionel)

- du bist mein Freund
- du bist mein Feind

Wir sehen also, dass es nicht auf die Gebote ankommt, sondern wie wir in der Welt und zum nächsten stehen.
Erst wenn wir in Liebe zur Welt, und zu allem stehen, können wir sagen, dass unser Leben und Reden das Gebot der Nächstenliebe transzendiert.

Wir sehen also, dass ein emotionelles Moment das wichtigste ist, und über dies hat Kant kaum gesprochen. (Kant hat überhaupt nur einen kleinen Aspekt, aber diesen sehr gründlich besprochen).

Wir müssen also vorsichtig sein zu sagen:
Folge der praktischen Vernunft, und alles wird gut (oder Liebe)
Letztlich gilt es, manchmal der Liebe gegen die vordergründige praktische Vernunft, einen Raum zu geben. Raum für die Liebe kann man meist nur schaffen, indem man selbst mit seinen eigenen Bedürfnissen etwas zurücktrittst.

Deshalb haben praktische Gebote die Form: du sollst nicht....
aber jedes Gebot zur Liebe: du sollst....

Entschuldige, dass ich jetzt nicht auf deinen Link-Beitrag eingegangen bin. Ich werde ihn aber lesen.

Ein Gruss an Dich und Peter

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