Re: Unterschied Religion-Christus
Geschrieben von Georg am 10. Oktober 2001 13:22:11:
Als Antwort auf: Unterschied Religion-Christus geschrieben von Martin am 08. Oktober 2001 17:44:15:
Hallo,
> Es gibt Millionen von Christen, die eine persönliche Beziehung zu Gott haben.
So isses. Viele davon als überzeugte Mitglieder einer Kirche (i.S.v.Religionsgemeinschaft),
andere unabhängig, und andere "bewußt außerhalb".
> Die kennen Gott nicht bloß vom hörensagen und aus der Bibel, sondern die
> erleben ihn täglich live. Natürlich sind es persönliche und damit subjektive Erfahrungen,
> aber wenn Millonen Menschen seine Gegenwart und sein Handeln bezeugen könnte doch etwas dran sein oder?
D'accord - obwohl das freilich niemanden überzeugen wird, dem das Erlebnis unbekannt ist.
> Es gibt selbstverständlich Beweise für die Existens Gottes! Du brauchst Dir ja nur mal die wunderbare
> Schöpfung anzuschauen. Jede Schöpfung setzt einen Schöpfer voraus! Der Schöpfer ist an seiner Schöpfung zu erkennen.
> [...]
Für interessierte Einsteiger zu ein paar weiteren Gottesbeweisen ein Link (gibt natürlich noch andere!):
http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/philosophie/philo-gottesbeweise.shtml
> Satan ist der Diktator dieser Welt. Er hält die Menschen in komplexen Lügengebäuden (Religionen, Ideologien usw.)
> gefangen. Er sorgt dafür, daß sie sich gegenseitig hassen und umbringen. Er versklavt die Menschen, die eigenlich
> zur Freiheit berufen sind. Aber seine Herrschaft auf Erden ist zeitlich begrenzt. Das Reich Gottes kommt!
Ich denke, du gestehst dem Satan hier zuviel Einfluß zu. Vieles von dem, das du ansprichst (zB hassen und umbringen)
tun die Menschen doch leider aus eigenem Willen...
> Lass Dich nicht von Leuten irre machen die den christliche Glauben mit Religion verwechseln. Religion setzt unter
> Druck, engt ein Christus macht frei!
Mir ist nicht klar, was du unter "Religion" alles subsummierst, aber es klingt negativ. Dem stelle ich entgegen,
was ich unter Religion verstehe: eine Summe von Aussagen ("Lehre"), entstanden aus Schrift und Tradition,
die für eine Gemeinschaft von Menschen relevant ist, die aus freiem Willen das leben, was sie durch diese Lehre
und ihre eigenen Gedanken dazu als richtig und wichtig anerkennen.
Keywords: entstanden, Schrift und Tradition, Gemeinschaft, freier Wille, leben, richtig und wichtig.
Das will ich auch begründen:
- entstanden: eine Religion ist nicht statisch, sie ändert sich mit den Lebensumständen der Menschen.
Das bedeutet nicht, daß sich die grundlegenden Wahrheiten ändern, durchaus aber Form und Formulierung.
- Schrift und Tradition: Religion hat eine "Geschichte", sie entsteht nicht aus dem Nichts und dokumentiert
sich seit der Entstehung durch die Tradition (siehe auch "entstanden") Traditionen sind, wie das Wort sagt,
"Übergebenes", und zwar von "früher" an "heute". Bedeutend ist daher, in welcher Form man diese Traditionen
in die aktuelle Lebenssituation "einbaut" - als "sklavische Vorgaben" eignen sie sich oft schon aufgrund ihrer
Entstehungsgeschichte (nämlich in einer anderen Lebenssituation) nicht, als Richtlinien oder Hinweise aber oft
schon. Jedenfalls können sie interessante Informationen vermitteln und sind deshalb sicher nicht "sinnlos".
Traditionen kann man nicht einfach "wegwischen"; in *gewisser* Weise sind unsere Gene auch Traditionen :-)
Wenn es jemanden unter Druck setzt, daß andere sich Gedanken gemacht und daraus Aussagen formuliert oder
sogar Handlungsweisen geprägt haben, die dann für eine Religionsgemeinschaft typisch sind ("Tradition"),
dann wird derjenige wohl auch mit unserer Gesellschaft an sich Probleme haben. Verkehrsregeln? Gesetze?
Allgemeine Verhaltensregeln wie "gutes Benehmen"? Alles nur von anderen erdacht. Daher schlecht? Böse??
- Gemeinschaft: die religiöse Überzeugung mag eine "Privatmeinung" sein, aber wenn sie Auswirkungen
auf unser Handeln hat (siehe "leben"), dann ist es nicht egal, wer welcher Religion angehört. Um dieses
Handeln effizient zu machen, ist "Teamwork" sinnvoll - ergo Gemeinschaften. Eine einzelne Ameise kann nix.
(Ich will hier keine philosophische Diskussion lostreten, ob der Glaube eines einzelnen Menschen,
wenn er sich total von allen anderen Glaubensrichtungen unterscheidet, schon eine "Religion"
darstellen kann. Diese Fragestellung erscheint mir nicht relevant.)
- freier Wille: leider gibt es genügend Beispiele, daß Menschen aus "religiösen Gründen gezwungen"
oder gar ermordet wurden. Das ist keine Eigenschaft einer wahren Religion, sondern ein falscher
Fanatismus (das ist jedenfalls meine Meinung). Religion ohne Freiheit = keine Religion.
- leben: "Religion" kann natürlich auch als Gedankenspielerei, "trockene Theologie/Theosophie"
betrieben werden, ohne Auswirkungen auf mein Handeln. Aber macht das denn Sinn? Für mich nicht!
(auch wenn ich zugeben muß, daß das reine Diskutieren auch viel Spaß machen kann ;-)
- richtig und wichtig: irrelevante oder offensichtlich dem menschlichen Wesen widersprechende
Aussagen (was freilich ein sehr flexibles Argumentationsfeld ergibt) braucht eine Religion nicht.
Eine "wahre" Religion ist ausserdem gottgewollt und gottgegründet, aber das steht für die jeweiligigen
Religions-Anhänger sowieso außer Zweifel - und ist für die jeweiligen Nicht-Anhänger sowieso kein Thema.
> Hinter allen Religionen steht Satan, auch hinter dem Christentum, wenn es religiös praktiziert wird.
> (religiös = Regeln, Druck, Verbote, Gebote, Angst)
Das ist Religion für dich? Tut mir echt leid, was auch immer da passiert ist.
> Ich will Dich ermutigen diesen Weg zu gehen und diesen wunderbaren Gott kennenzulernen.
Das unterschreibe ich! Ich würde dich (o Leser) im übrigen auch einladen und ermutigen, mal zu prüfen,
ob in deiner Nähe nicht doch eine religiöse Gemeinschaft existiert, in der du deinen persönlichen
Glauben verwirklichen kannst. Denn auch damit verbinde ich sehr schöne Erlebnisse. Natürlich "menschelt"
es in einer solchen Gemeinschaft, Gott allein ist "pur" - aber will Er, daß wir uns ganz privat und
im stillen Kämmerlein mit Ihm beschäftigen? "Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da
bin ich mitten unter ihnen."
lG,
Georg