Re: Von der Sinnlosigkeit Gottes
Geschrieben von AS am 30. November 2000 02:25:19:
Als Antwort auf: Re: Von der Sinnlosigkeit Gottes geschrieben von Ahmet am 29. November 2000 18:35:11:
Ein Gott, der vor lauter Langeweile einen Urknall auslöst, damit nach milliarden Jahren eine Handvoll von Mikro-organismen in milliarden Jahren zum Menschen entwickeln, die dann wiederum weitere tausende Jahre warten müssen, bis Gott sich ihnen in Form eines Menschen offenbart? Menschen, die dann an dutzende verschiedener Religionen glauben und dafür seit über 2000 Jahren morden, foltern, diskriminieren (besonders Frauen und Andersdenkende), nur weil sie zu blöd sind, den "wahren Willen Gottes" zu verstehen? Nun, wenn das so ist, dann trägt Gott eine große Teilschuld daran, denn wenn er allwissend und allmächtig ist, dann wußte er natürlich auch, daß man seine Propheten falsch verstehen und seine Gebote falsch auslegen würde... Und wieso ist Gott zu dämlich, sich vernünftig zu offenbaren? Nebenbei bemerkt muß Gott ein ziemlicher Sadist sein, wenn er Menschen erschafft, um sie danach zu richten. Ganz schön link, oder: "Mensch, ich erschaffe dich und gebe dir den freien Willen, dich meinem Willen zu beugen oder nicht. Wenn du NICHT meinem Willen folgst, dann mach ich dich fertig. Ach ja, und in welchem unangemessenen Verhältnis EWIGE Verdammnis zu selbst den schrecklichen Taten der Menschen steht!!! Den selbst der böseste Mensch kann nicht ewiges Leid schaffen.
Zu Gottes Propheten: sie kommen natürlich als Mensch - wie auch sonst, Gottes Göttlichkeit scheint so beschränkt zu sein, daß er nicht mal eine überirdische Gestalt schicken kann... Ach ja, die Engel. Was sind Engel? In der Bibel sind es Männer mit weißen Gewändern, der Volksmund hat Flügel, Heiligenschein und Licht hinzugedichtet. Engel sind also Fabelwesen, wie man sie aus Märchen und science fiction kennt. Nenn mir doch mal EIN EINZIGES überirdisches, göttliches Phänomen. Die biblischen Wunder? Zählt man alle Wunder aller Religionen und weltanschaungen zusammen, so wird man feststellen, daß es mehr Wunder gibt als Naturgesetze. Gottes Allmächtigkeit? Dazu gibt es eine nette Anekdote: Der Teufel forderte Gott auf, seine Allmächtigkeit zu beweisen: Gott sollte einen Stein schaffen, der so groß ist, daß selbst Gott ihn nicht aufheben kann. Dummerweise ist diese Aufgabe selbst für einen Allmächtigen gott nicht zu lösen, denn entweder er ist nicht allmächtig, weil er den Stein nicht aufheben kann, oder aber er kann ihn aufheben, aber dann hat er ihn nicht groß genug geschaffen.
Ich breche hiermit ab, denn es lohnt sich nicht wirklich, mit Gläubigen zu diskutieren. Weißt du warum? Weil sie sosehr an ihrem kuscheligen Glauben an Sinn und ewiges Leben hängen, daß sie selbst dann nicht von ihrem Glauben abfallen würden, wenn bewiesen würde, daß sämtliche Religionen Unsinn sind. Manche Gläubigen haben so viel Angst davor, daß man ihnen ihre schöne Illusion von ewiger Glückseligkeit nehmen könnte, daß sie alle umbringen, die das versuchen. Weshalb wohl mußte Galileo unter Androhung von Folter widerrufen, daß die Welt NICHT der mittelpunkt des Universums ist? Und warum wohl hat man "Ketzer" verbrannt? Sie waren gefährlich, weil sie die Aussagen der Bibel als fromme Märchen entlarvten. Sie sind heute noch gefährlich, weil sie immer die besseren Argumente haben (nicht weil sie cleverer sind, sondern einfach nur weil sie mit Fakten argumentieren können und keine unlogischen Schlußfolgerungen machen müssen).
Zum Schluß eine kleines Rechenspielchen. Zählt man alle Arten von Religionen und alle politischen Ideologien zusammen, so erhält man tausende verschiedener Weltanschaungen. Jede dieser Weltanschaungen gilt von den jeweiligen Vertretern als absolute Wahrheit. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:
1. eine der Religionen/Ideologien ist die "wirklich wahre"
2. ...oder aber, alle irren.
Wenn Punkt 1. der Fall ist, so liegen ALLE ANDEREN TAUSENDE Weltanschungen im IRRTUM, und nur eine handvoll Menschen kennen die wahre Wahrheit.
Wenn Punkt 2. der Fall ist, so liegen ALLE im Irrtum und NIEMAND kennt die Wahrheit. Der Unterschied wäre plusminus eine Handvoll Menschen.
Die logischste Konsequenz wäre demnach, zuzugeben, daß wir "die Wahrheit" nicht kennen und daß die wahrscheinlichste Wahrheit ist, daß es keine absolute Wahrheit gibt (das ist übrigens Konstruktivismus: Wirklichkeit ist ein durch die Beschaffenheit der Sinnesorgane, des Gehirns und der Sprache determiniertes Konstrukt. Wenns diech interessiert, lies mal das sehr amüsante und leicht zu lesende Buch Watzlawick: Wie Wirklich ist die Wirklichkeit. (Piper Verlag). Der Vorteil einer solchen Einstellung ist, daß ich niemandem mehr den Schädel einschlagen muß, nur weil seine Wahrheit wahrer sein soll als meine Wahrheit, wie das in den vielen Religionskriegen bis heute getan wird (Israel, Irland...)
Bis denn, und überleg dir mal, woran du glauben würdest, wenn du irgendwo im afrikanischen Busch aufgewachsen wärst. Vermutlich würdest du mich dann zu überzeugen versuchen, daß Gott in einem Baum wohnt und Blitze vom Himmel schickt, wenn er böse ist.
Real, compared to what? (McHale)
AS