Re: Isaak oder Ismael?
Geschrieben von Cemil Kaya am 15. Mai 2005 00:27:51:
Als Antwort auf: Isaak oder Ismael? geschrieben von Ahmet am 13. Mai 2005 15:32:56:
>Hallo Nour Iman, Hallo Kaya, Hallo liebe Muslime und Juden, der Friede sei mit Euch allen,
Friede sei auch mit Dir, Ahmet,
da es hier hauptsächlich um die Opferschaftsfrage geht, konzentriere ich mich auch nur darauf, wobei wir in anderen Punkten ohnehin größtenteils einig sind.
>Aber warum sind wir heute soweit, dass Juden und Muslime sich darüber streiten, ob nun Isaak oder Ismael hätte geopfert werden sollen?
Auch Christen gehören unbedingt dazu, vielleicht sogar eher als Juden, da sie diesbezüglich nicht nur die selbe Auffassung wie Juden vertreten, sondern zudem auch thematisch in vieler Hinsicht die aktiveren und dominanteren Rolle spielen. Juden beteiligen sich kaum an solchen Diskussionen und verhalten sich stets passiv.
>Das kann ich nicht verstehen.
Wenn das Thema lediglich innerislamisch diskutiert würde, wäre es auch für mich unverständlich, da die Frage für Muslime an sich kaum eine Rolle spielte und spielt. Erst wenn man dem Them Interreligiösen Charakter verleiht und die Frage speziell mit Juden und Christen diskutiert, erkennt man, daß deren Gewichtigkeit in der Verheißungsproblematik liegt, das heißt, in dem Bund zwischen Gott und Abraham, daß der in der Bibel Verheißene aus der Linie der zu opfernden Sohnes kommen sollte. In diesem Sinne wird es sofort verständlich, daß, wenn der zu opfernde Sohn Isaak sein sollte, auch der Verheißene automatisch aus seiner Linie käme, ergo ein Israelit sein würde. Und falls es Ismael wäre, läge es ebenfalls automatisch auf der Hand, daß der letzte Prophet, also der in der Bibel mannigfaltig Verheißene und Beschriebene, aus dessen Linie käme.
Ich glaube und hoffe, jetzt wird die Wichtigkeit der Thematik für Dich verständlich.
>Seit wann beansprucht der Islam diese im Koran nicht bestätigte Lehre?
Ich glaube, die von Bruder Nour Iman gegebenen Links machen einiges deutlich, und zwar auch die Tatsache, daß der Qur'an (Koran) hierbei ähnlich vorgeht, wie in der Frage Jesu' Kreuzigung, sogar etwas mehr verschlossen, damit dieses Thema bei den Muslimen kein Übergewicht bekommen d.h. überbewertet werden sollte, wie dies bei Juden und Christen der Fall ist in Bezug auf die Verheißung.
Daß der Qur'an kein Anspruch auf diese Lehre stellt oder daß er die jüdisch-christliche Ansicht bestätigt, ist nicht ganz so trifftig, da die qur'anische Erzählung eine raffinierte Methodik anwendet, aus der hervorgeht, daß der zu opfernde Sohn Ismael/Ismail sein muß, denn erst nach dem Bestehen der Prüfung wird Abraham durch einen zweiten Sohn, nämlich durch Isaak belohnt. Zudem lesen wir in der kanonischen Bibel, daß Abraham seinen einzigen Sohn opfern solle, unabhängig davon, daß gleich danach der Name "Isaak" vorkommt. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Namen Ismael durch Isaak zu ersetzen. In den Apokrypen fand ich diese Geschichte, in der steht, daß Abraham seinen Erstgeborenen opfern solle, auch wenn hinterher dem widersprechend ebenfalls der Name "Isaak" anstelle "Ismael" auftaucht. Dieser alter Brauch von Sohnesopferung hat nur dann erst den gewünschten Effekt und Wert (wenn ich es so sagen darf), wenn der Ersgeborene geopfert würde.
Sowohl Textkritisch und -analytisch als auch logisch-vernünftig ist zu schlußfolgern, daß nicht Isaak, sondern Ismael es gewesen war, der geopfert werden sollte.
Ich hatte vor Jahren einen längeren Artikel darüber verfaßt, und falls ich ihn finde, kann ich ihn hier wiedergeben.
Friede sei mit Dir
Cemil