Re: Die Evangelien sind die frohe Botschaft, nicht die Bibel!
Geschrieben von Ahmet am 07. November 2000 04:42:49:
Als Antwort auf: Re: geht's hier um die Bibel oder Kinderbibel? geschrieben von Don Pedro am 05. November 2000 21:13:47:
Hallo Don Pedro,
>> Wenn du mir den Zusammenhang von Bibelentstehung und Inquisition erklären würdest, fände ich das ganz toll. Die Kanonbildung der Bibel ist bereits im 3. Jahrhundert abgeschlossen. Da fehlen aber noch tausend Jahre bis zur Inquisition.
Enschuldige, wenn ich nicht die Vorformen der Inquisition erwähnt habe. Vorformen der Inquisition gab es bereits seit dem 4. Jahrhundert, seit im Römischen Reich das Christentum zur Staatsreligion erhoben worden war und Häresie folglich auch als gegen den Staat gerichtetes Verhalten interpretiert wurde. Die Strafen für die der Häresie Überführten reichten damals je nach Schwere des Vergehens von der Aberkennung des Besitzes bis hin zur Todesstrafe. Der römische Kaiser Konstantin ist für die Kanonbildung der Bibel verantwortlich.
>> Erst mit Luther beginnt die Diskussion wieder neu um einige griechischsprachige Bücher des Alten Testaments.
Um griechischsprachige Bücher des AT? Der Kern lutherischer Theologie ist durch die reformatorische Erkenntnis bestimmt und vor allem an den Schriften des Paulus orientiert. Er lehnte unter anderem die Erbsünde, welche in der Bibel nicht zu finden ist, ab.
>> Die Bibel ist weit mehr als nur ein Buchladen. Sie ist inspiriertes Wort Gottes. Damit gibt sie zuerst Zeugnis von Gott, weil ER Menschen durch seinen Heiligen Geist dazu befähigt hat, von ihm und seinem Willen Zeugnis abzulegen. Dies geschieht in der Sprache der jeweiligen Zeit und auf deren hermeneutischen Hintergrund. Deshalb muß Bibel auch heute verantwortlich gedeutet werden. Das ist kein beliebiges Geschäft sondern harte Arbeit.
Wenn Du das Wort "Bibel" durch Evangelien ersetzen würdest, so wären wir gleicher Meinung. Was aber durch die Römer entstand, entspricht meiner Ansicht nach nicht dem Ziel Jesu.
>> Das klingt so, ob die Konzilien, die sich damit befasst haben, etwas Verbotenes oder Unanständiges getan haben. Im Gegenteil haben sie durch den bewußten Einschnitt, den sie gesetzt haben, die Einwanderung von Schriften aus dem Bereich der Gnosis und mit starker apokalytischer Prägung unterbunden. Das war absolut notwendig und keineswegs verwerflich.
Nein, natürlich ist das nichts verbotenes gewesen. Nur ist mit diesen sehr römisch geprägten Entscheidungen unser gemeinsamer Gott gespalten worden. Nur deshalb unterscheiden sich heute die Religionen Judentum, Christentum und der Islam. Das wäre alles nicht geschehen, wären wir Menschen beim Ziel Gottes geblieben. Nicht nur das Christentum, auch das Judentum und der Islam haben sich nicht ganz sauber gehalten. Gerechtigkeit und Friede ist der Weg. Nicht das, was wir heute beobachten können. Auch wurde damals die apokalytische Prägung nicht vollständig unterbunden.
>> Auch diese Akt gilt innerhalb der Kirche übrigens als inspiriert, was zeigt, daß auch nach dem offizielen Redaktionsschluß für die Bibel Gott sich weiterhin offenbart. Nur wichtigeres als die Bibel wird er nicht mehr sagen, weil alles wichtige gesagt ist.
Wie gesagt, was die Kirche aus den Lehren Jesu machte, ist nicht das, was Gott getan hätte. Glücklicherweise hat uns Jesus vor ihnen gewarnt und wir können unterscheiden zwischen seiner frohen Botschaft (Evangelien) und der Bibel (römische Büchersammlung).
Gruss
Ahmet
>>Don Pedro