Re: Das Leben braucht keinen Gott zum entstehen!
Geschrieben von Alex am 19. September 2001 20:41:13:
Als Antwort auf: Re: Das Leben braucht keinen Gott zum entstehen! geschrieben von Taylan am 19. September 2001 14:17:20:
Ich habe meine Zweifel, ob so ein Posting als Diskussionsgrudlage gemeint ist oder ein bloßes Statement sein soll. Aber nehmen wir mal das erstere an.
1. Die zufällige Entstehung einer Zelle ist unmöglich
Das ist richtig. Allerdings, wenn du mal irgendein seriöses Biologiebuch nehmen würdest: das behauptet ja keiner, o.k.?
2. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zelle zufällig entsteht, ist verschwindend gering.
Diese Aussage ist überflüssig, weil sie ja oben schon gemacht wurde. Überhaupt wiederholst du dich am laufenden Band!
3. Allein die spontane Entstehung der 200 Enzyme des Lebens hat eine Wahrscheinlichkeit von 1:1040.000 !!!
Diese Zahl ist mit Sicherheit falsch. Tatsächlich liegt diese Zahl um Dimensionen höher, im Bereich von 10hoch 40 oder 10hoch 80 oder noch höher. Ich ersehe daraus, daß dir grundlegend mathematisch-statistische Kenntnisse fehlen. Aber abgesehen davon, und weil du diesen Gedankenfehler endlos wiederholst, berechne doch mal die Wahrscheinlichkeit, daß du auf der Welt bist:
3a.)Zähl die Spermien deines Vaters, die produziert wurden (jedes Spermium ist einzigartig), bis du entstanden bist, und multipliziere das mit den Eizellen deiner Mutter (für die dasselbe gilt), die bis dahin zur Verfügung standen. Sagen wir mal, einige 100 Millionen: 1. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit vernachlässigen, daß sich dein Vater und deine Mutter überhaupt kennengelernt haben und nicht andere Väter oder Mütter.
3b) Wiederhole diese Rechnung für die Großelterngeneration, und multipliziere die gefunden Ergebnisse.
3c) Wiederhole das für die Generation davor usf.
Ohne daß du diese geometrische Reihe sehr lange weiterführst, kommst du sehr schnell in den Bereich von einigen Hundert Milliarden Billiarden Billiarden von Chancen.
Mathematisch gesehen, liegt die Chance, daß du auf der Welt bist,
ungefähr in einem Bereich, der die Zahl der Moleküle des Universums übersteigt. Das heißt, du bist unmöglich!
Soviel zum falschen Umgang mit der Mathematik und zur Sinnlosigkeit solcher Gedankengänge. Sie sind bekannt als das Boeing 747 Gedankenmodell von Fred Hoyle.
4. Was die Zelle und ihre Strukuren angeht, unterliegst du einer Reihe von Gedankenfehlern. Weder die heutigen Zellen noch ihre heutigen Bestandteile waren jemals Ausgangszustand, sondern sie sind vorläufiger Endzustand, besser gesagt Zwischenzustand der Evolution. Stichworte: Chloroblasten, Mitochondrien. Diese Zellbestandteile besitzen Fremd-DNS, sind also ursprünglich außerhalb der frühen Zellen entstanden. Das bedeutet, daß die ersten Zellen überhaupt keine ÄHnlichkeit hatten mit den heutigen. Du schließst, bildlich gesprochen, aus der Existenz des Düsenflugzeugs, daß man ohne Düsenantrieb nicht fliegen kann.
5. DNS-Replikation
Daß heutige Zellen DNS-Replikatoren sind, bedeutet keinesfalls, daß es nicht zuvor DNS-freie Replikatormodelle gegeben hat. Es ist der Düsenflugzeug-Denkfehler wie oben (deine Denkfehler wiederholen sich in ermüdender Weise).
6. Komplexere organische Verbindungen lassen sich experimentell an der Oberfläche von anorganischen Trägern erzeugen, stichwort Pyrit-Kristalle. Genaueres unter der Biofilm-Theorie von Wächtershäuser. Das heißt also, daß stoffwechsel- und replikatorische Vorgänge ohne Zellmembran, durch Trägerschicht und Biofilm stattfinden. Hierzu auch Eigen und Held. Es gibt sicher noch viele andere denkbare Modelle, unter anderem ist die Theorie von Tonerden im Gespräch. Dazu müßte man sie allerdings einmal gelesen haben, gelle?
7. Selbstorganisation von Molekülen ist eine experimentell erwiesene Tatsache.
8. Es gibt DNS-Freie RNS-Strukturen, die sich selbst replizieren, und zwar ohne den Umweg über die DNS. Theoretisch ist der DNS-RNS-Replikator nicht zwingend. Statt positiv-negativ wäre negativ-positiv genau so denkbar.
9. Die grundstürzende Ausgangsthese, daß die Evolution erst mit der Zelle beginnt, ist dein eigentlicher, der tiefliegendste Gedankenfehler. Wie gesagt, auf der langen Strecke vom Wasserstoffatom bis heute ist die Zelle nur eines von vielen Evolutionsstadien. Sie ist, um mit Richard Dawkins zu sprechen, aus der Sicht der Gene eine zweckmäßige Maschine für die DNS-Produktion, nichts weiter.
Da sich alle Nachfolgeargumente immer wieder um dieselben Punkte drehen, erspare ich mir weitere Wiederholungen, weil damit der Sache nichts hinzugefügt wird.
Vielmehr möchte ich dich auf etwas hinweisen: Josef und die Jungfrau, das kann man verstehen, glauben oder nicht glauben. Wenn du über die Bibel oder den Koran auf Fachgelehrtenebene reden willst, dann mußt du allerdings ein mehrjähriges Studium dieser Dinge betreiben, um z.B. mitentscheiden zu können, ob jene oder diese Stelle ein nachträglicher Einschub ist oder diese oder jene Sure an falscher Stelle steht. Du kannst diesen Leuten nicht kommen und sagen: ich habe einen Kinderkatechismus, da steht diese Sure so drin. Die Dinge sind doch etwas komplizierter.
Warum soll sich das bei der Evolution anders verhalten? Ich kann dir nur empfehlen, daß du dir mal die VOraussetzungen schaffst, um diese Gedankengänge nachzuvollziehen, die du hier selbst ausgesucht hast. Also beschgäftige dich mal intensiv mit den Grundlagen der Biologie, der Chemie, der Biochemie, der Physik, der Zoologie und Physiologie, der Statistik usw..
Oder nimm Zuflucht zum Glauben, das ist einfacher.