Re: Gott oder Philosophie?
Geschrieben von Ahmet am 29. November 2000 17:52:51:
Als Antwort auf: Re: Gott und Natur? geschrieben von AS am 29. November 2000 04:47:29:
>> Mit dem überlegenen Wissen des 20. Jahrhunderts beurteilst du die Auffassungen früherer Generationen als "psychologische Krankheit" oder Irrweg.
Das war nicht die Absicht, ich meinte nur, wer nicht nach dem lebt, was tatsächlich überliefert wurde, der bringt sich und seine Nachkommen in eine Zeit der Unruhe, und das wirkt sich auf die ganze Menschheit aus. Das hat mit dem Wissensstand nichts zu tun. Die Gebote gibt es nicht einfach nur so. Sie haben einen tiefgründigen Sinn und bestehen in Form von Herzensgefühl (Instinkt) schon ewig.
>> Und was für ein wandelbarer Wille dies ist: im Alten Testament fordert Gott Rache, Opfer usw. , im Neuen Testament fordert derselbe Gott Nächstenliebe, sogar gegenüber den Feinden.
Rache wurde auch im AT von Gott verabscheut. Opfer war schon immer etwas göttliches, auch noch im NT. Vielmehr sind im AT die Strafen, welche von Menschen durchgeführt werden ungöttlich. Ja, in dieser Hinsicht verstehe ich deine Kritik. Das ist dort tatsächlich so niedergeschrieben. Da spiegelt sich deine Meinung, dass der Mensch selbst Gott sein wollte, denn hast Du einmal die hebräische Version gelesen? Das wäre dann die Thora oder Teile der Schriftrollen von Qumran. Da ist mir aufgefallen, dass es aus der Sicht von Gott oder teilweise aus der Sicht von Geistern oder Engeln geschrieben steht. Texte aus der Sicht des Menschen sind mir nur im Alten Testament bekannt. Kann es sein, dass der Mensch sich selbst zu Gott machte und die Strafen selbst ausführte? Denn nach der Thora richtet nur Gott alleine über den Menschen.
>> Dies ist ein generelles Problem aller Offenbarungsreligionen: die Religion ist eine Sache der Geographie, die Vermittlerfigur (Moses, Jesus, Mohammed etc.) tritt willkürlich und zufällig in der Menschheitsgeschichte auf.
Scheinbar mussten diese Propheten aber etwas besonderes getan haben, was die Menschen jener Zeit angesprochen hat. Ich denke, es war die Rebellion dieser Persönlichkeiten zu Gunsten der ärmeren Leute, welche dann diese Persönlichkeiten zu Propheten hoben.
>> Woher konnten die Menschen den Willen Gottes kennen, die VOR all den Propheten gelebt haben?
Du gehst scheinbar davon aus, dass jeder Prophet bei seinem Wirken neue Elemente des Glaubens und Verhalten gepredigt hat. Gemäss den heiligen Schriften ist das jedoch nicht so. Die heiligen Schriften, egal ob Thora oder Evangelien, betonen immer wieder eine Erinnerung an die Zeit der Väter. Das bedeutet also, dass einst eine Ordnung da war, und erst im Laufe der Zeit diese Ordnung gestört wurde. Immer wenn diese wiederhergestellte Ordnung erneut gestört war, dann hat Gott einen Propheten gesandt, der die Menschen an einen Ursprungszeit erinnern sollte. So wurde immer wieder ein neuer Bund mit Gott geschlossen.
>> Ein anderer Aspekt: Ist es nicht bezeichnend, daß ein Gott immer genau den Wissensstand repräsentiert und verkündet, den die Menschen der jeweiligen Zeit hatten?
Wie kommst Du darauf? Gott verkündete wie gesagt immer das Gleiche Muster (Verhaltensregeln). Gott ist, und war auch damals und davor schon vollkommen. Die Unterschiede, die Du ansprichst, brachten erst die Nachfolger (Philosophen, Päpste, Kalifen u.s.w.) des betreffenden Propheten.
>> Nimm die Schöpfungsgeschichte: Der allwissende Gott entpuppt sich als Lügner, zumindest als Märchenerzähler: warum verkündet er das Märchen von Adam und Eva, anstatt die Evolutionstheorie darzulegen?
Welche Stelle in der Bibel wiederspricht deiner Meinung nach der Evolutionstheorie? Gibt es denn nun die Arten der Lebewesen oder nicht? Denn was danach mit diesen Arten geschehen ist, das erst gehört zur Evolutionstheorie. Alles andere ist noch nicht belegt.
>> Natürlich bleibt immer irgendwo ein Plätzchen für Gott. Heute mag er der Auslöser des Urknalls sein. Sollte man aber irgendwann den wahren Auslöser des Urknalls finden, also eine wissenschaftliche Erklärung, dann wird Gott eben der Auslöser dieses Auslösers sein usw. usw. Merkst du nicht, wie lächerlich dies ist?
Ich verstehe schon, was Du meinst. Ich finde, man muss unterscheiden zwischen Gott und dem, was der Mensch über Gott bildet. Bekanntlich hat Gott uns gebeten, kein Bildnis(Vorstellung) über ihn zu schaffen. Es gab nie Informationen über Gott. Was als Geheimlehren (bedeutet: Esoterik) zu finden ist, ist auch nichts anderes, als eine menschliche Philosophie. Solche gibt es tausende. Aber was in jeder Religion gleich zu finden ist, wie die Liebe, Frieden, Ergebenheit. Das ist einzig als göttlich zu sehen. Die Grundlage aller Religionen ist die selbe.
>> Natürlich wäre es unsinnig von mir, zu behaupten, es gäbe auf gar keinen Fall soetwas wie einen "Gott", schließlich ist Atheismus letztlich ebenfalls eine Religion, nämlich der GLAUBE an die Nicht-Existenz Gottes.
Ich verstehe auch die Atheisten. Es ist ja kein Wunder, dass diese Glaubensrichtung entstehen konnte. Der Mensch hat Gott verändert, Gott war und bleibt ewig. Die Menschen und Völker, die sich als Gott sahen und heute noch sehen, sind alle vergänglich. Aber genau diese haben den Glauben verfälscht und Gott unbeliebt gemacht.
Liebe Grüsse und Gott sei mit Dir...
Ahmet
>> Bis denn, AS