Re: grosser unterschied zwischen BIBEL und KORAN
Geschrieben von Kaya am 04. März 2005 01:06:
Als Antwort auf: grosser unterschied zwischen BIBEL und KORAN geschrieben von schirrichri am 03. März 2005 14:22:
Hallo Schirrichri,
in einem anderen Forum hatte ich darüber mal einen Beitrag geschrieben, den ich hier zitieren möchte. Vielleicht trägt er zum Thema etwas bei:
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Hallo Allerseits,
ich wollte hier dieses Thema in einem neuen Thread behandeln, weil sonst das Posting als Antwort weiter unten womöglich verlorenginge. Das, was ich aber hier darlegen möchte, ist für die Debatte zwischen Christen und Muslimen von ziemlicher Bedeutung.
Das uns heute bekannte Christentum, welches aus dem Sieg der konstantinischen "Partei" gegenüber mehr oder minder unitarischen, aber auf jeden Fall von den heutigen ziemlich abweichenden (Juden-)Christentum, besteht, baut seine gesamte Konstruktion auf die Kreuzigung Jesu' auf. Wie ich schon mal sagte: nähme man lediglich dieses Dogma weg, bliebe sehr wenig vom (heutigen) Christentum übrig.
Was wäre geschehen, wenn alle Christen so wie Muslime glauben und die Kreuzigung Jesu' als eine Täuschung ansehen würden?
Unter vielen anderen positiven Resultaten, wie die einfachere Einigung zwischen ihnen und uns Muslimen, wäre da besonders der Judenhaß nicht entstanden und Millionen von Juden hätten darunter nicht gelitten.
[...]
Nun, ich möchte hier nicht ein anderes Thema behandeln als das der Kreuzigung.
Diese erzeugte wirklich ein haß gegenüber den Juden, weniger gegenüber den Römern, wiewohl diese, nach dem NT, mitschuldig waren.
In meinem Posting [...] schrieb ich darüber u.a.:
"Nun, die Frage, ob Jesus tatsächlich gekreuzigt wurde oder nicht, ist eine der ältesten, nicht nur christlich-muslimischen, sondern auch christlich-christlichen Fragen. Ja, richtig gelesen: es ist auch eine urchristlich-urchristliche Frage, die heute jedoch in den Kirchen kein Thema mehr darstellt..."
Ich kann nur erahnen, warum darauf keine Reaktion kam. Wenn meine Behauptung nämlich zutreffen sollte, dann hätte die quranische Aussage, man habe Jesus nicht gekreuzigt, nicht wirklich getötet, sondern es erschien ihnen so, oder daß ein anderer an seiner Stelle gekreuzigt worden sei, Hand und Fuß, stünde in der Geschichte nicht alleine da, so wie in vielen Dingen es ohnehin der Fall ist. In diesem Fall wird dann vorgeworfen, daß Muhammed eben aus den entsprechenden Quellen "abgeschrieben" oder übernommen hätte. Kein Mensch konnte bisher einen konkreten Erweis für diese Behauptung erbringen. Ähnlichkeiten mit anderen Lehren und Überlieferungen deuten niemals nur auf eine Übernahme hin, sondern auch auf eine Übereinstimmung Göttlicher Botschaft und Offenbarung. Bekannt ist, daß Muhammed nicht einmal die Bibel in seiner Nähe haben wollte, nicht, weil er dagegen gewesen wäre, sondern, weil man später nicht Grund zur Unterstellung haben sollte, daß er seine Kenntnisse daraus bezogen hätte.
Nun aber wird es Zeit, die genannte Behauptung aus christlichen Quellen nachzuweisen. Ich zitiere im Folgenden aus dem Buch "Das ´Geheimnis des Rabbi J.". Das "J" steht für Jesus.
Der lachende Erlöser
Die eine Stelle stammt aus der Apokalypse des Petrus, die offensichtlich in judenchristlicher Tradition steht. Da heißt es von Gefangennahme und Kreuzigung:
"Was sehe ich, Herr: bist du es selbst, den sie ergreifen; und (zwar) obwohl du mich (bei der Hand) hältst? Oder wer ist der, der neben dem Holz (stehend) heiter ist, und lacht? Und einem anderen schlagen sie auf die Füße und auf die Hände! - Der Erlöser sagte zu mir: Der, den Du neben dem Holz (stehend) heiter sein und lachen siehst, das ist der lebendige Jesus. Der aber, in dessen Hände und Füße sie Nägel schlagen, das ist sein fleischliches (Abbild), nämlich das 'Lösegeld', welches (allein) sie zusachenden machen, dasjenige, das entstanden ist nach seinem Bild. Sieh ihn und sieh mich doch an!"
Der Text erklärt dann noch, warum der Erlöser lacht:
"Er lacht über ihre Blindheit im Wissen darum, daß sie blind geboren sind." [Fußnote 1].
Die zweite Stelle findet sich im Zweiten Logos des großen Seth, wo der Erlöser ausführlich berichtet, wie er sich einen Scheinleib sucht, um als "Sohn des Menschen" die Unwissenden über das Lichtreich aufzuklären. Bei der Kreuzigung erleben wie noch einmal den lachenden Erlöser:
"...nicht ich war es, der mit dem Rohr geschlagen wurde, ein anderer war es, der das Kreuz auf seienr Schulter trug, nämlich Simon. Ein anderer war es, dem die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt wurde; ich aber ergötzte mich in der Höhe an dem ganzen (scheinbaren) Reichtum der Archonten und dem Samen ihres Irrtums und der Prahlerei ihres eitlen Ruhms; und ich lachte über ihren Unverstand", denn "ich war doch überhaupt nicht dem Leiden unterworfen. Jene bestraften mich (mit dem Tode), doch ich starb nicht wirklich, sondern (nur) dem Anschein nach." [Fußnote 2]
Man kann noch eine dritte Stelle mit einem lachenden Erlöser anführen, die wir aber nur aus den gegenschriften des Irenäus kennen. Danach berichtet ein Basilides, anstelle des Erlösers sei Simon, der Kreuzträger, gekreuzigt worden (wie im Logos des großen Seth), ohne das jemand die Verwechslung bemerkt habe: "Jesus aber nahm die Gestalt des Simon an und stand lachend neben ihnen." [Fußnote 3]
Auf derartige Passagen nimmt später auch eine Abschwörformel Bezug, mit der die Lehren des Mani verurteilt werden: "Ich verdamme die, welche sagen, unser Herr Jesus Christus habe nur scheinbar gelitten und ein anderer habe am Kreuz gehangen, er aber habe ferne gestanden und gelacht, weil ein anderer an seiner Stelle litt." [Fußnote 4] (Fußnote 5).
Qur'an:
In der Tat sind die verschiedenen Ansichten hierin nur Zweifel, weil sie keine bestimmte Kenntnis haben, sondern nur vorgefaßten Vermutungen folgen. Sie haben ihn aber nicht wirklich getötet." (4, 158 f. nach L. Ullmann).
Aufgrund dieser Aussagen lachen Muslime wie Jesus in den Zitaten, und haben deshalb keinen Haß gegenüber Juden und werfen ihnen nicht vor, ihren, christlichen, Gott (indirekt) gekreuzigt zu haben. Und da diese Geschichte für die Muslime im Grunde irrelevant ist, würde es ihnen nicht schaden, wenn sie im Jenseits erfahren sollten, daß der physische Körper Jesu' damals doch gekreuzigt worden sei. Denn Muslime machen daraus keine alles entscheidende Dogmatik und betrachten den Tod als Gesetz Gottes, auch den von Jesus.
Was aber, wenn Christen, die ihre ganze Erlösungsvorstellung ausschließlich darauf bauen, im Jenseits erführen, daß Jesus nicht gekreuzigt worden ist? Die Schwere Last der Enttäuschung ist in diesem Fall kaum vorstellbar.
Gruß
Cemil
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Fußnoten:
1) Apokalypse des Petrus 81,5 ff.
2) Zweiter Logos des großen Seth 55, 15. - Vgl. auch Karl-Wolfgang Tröger Gnosis und Neues Testament. Studien zur Religionswissenschaft und Theologie. Berlin 1973, S. 388 ff.
3) Zitiert in: Die Gnosis. Zürich 1969-1980, Bd. 3, S. 298.
4) Die Gnosis, a.a.O., Bd. 1, S. 24.
5) Johannes Lehmann: "Das Geheimnis des Rabbi J. - Was die Urchristen versteckten, verfälschten und vertuschten", Knaur Verl. München 1990, S. 158 f.
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