Re: Speise verboten?

Die Ewige Religion

Geschrieben von nour iman am 09. Februar 2005 01:04:

Als Antwort auf: Re: Speise verboten? geschrieben von Ahmet am 08. Februar 2005 21:26:56:

hallo und salâm ahmet,

>Erstmals vielen Dank für die informationsreiche Antwort. Du scheinst den Islam wirklich gut zu kennen und im Herzen zu tragen. Es freut mich auch sehr, dass es Muslime gibt, die den Aspekt der Ewigen Religion im Islam noch erkennen.

ich gebe mir muehe :-)

aber mal ehrlich, glaube ich nicht, dass ich vom islam so sehr viel weiss. ich interessiere mich zwar sehr fuer ihn und lese sehr gerne alles, was mit ihm im zusammenhang steht, doch stehe ich noch immer am anfang. wie ich schon sagte, umfasst der islam das ganze leben und ich kratze noch immer an der oberflaeche.

>einem hadith zufolge sagte aischa, die frau des propheten (s.a.s.), befragt nach seinem leben: "sein leben war der Koran."
>Aus diesem Satz gleich das traditionelle Handeln des Propheten in die Religion einzubeziehen finde ich persönlich schon etwas übertrieben. Ich meine, viele Elemente waren schon in der vorislamischen Zeit etwas tägliches, aber geografisch gesehen auch nur in dieser Gegend.

es ist in der tat sehr wichtig zwischen traditionen der damaligen zeit und jenem ort und der religion zu unterscheiden, die vom propheten (s.a.s.) gelehrt wurde. tradition war zb. sklaverei. religion und sunna wiederum war es, sklaven freizulassen. dazu gibt es zig hadithe.
und es ist sicher nur ein beispiel von vielen.

>Was seine Aussagen im charakterlichen Sinn waren (z.B. Unterscheidung Gut und Böse; Gerecht und Ungerecht), das finde ich wiederum sehr wichtig und erkenne in der oberen Aussage Aischa’s eigentlich genau das. Aber das ist im Koran bereits geklärt und bedarf meiner Auffassung nach keiner weiteren Kommentare.

ich glaube dich zu verstehen. der Koran als hilfe zur unterscheidung von gut und boese ist sicher im groben ausreichend. er stimmt hier auch weitgehend mit der bibel ueberein. nur gibt es aber auch viele grenzfaelle, ueber die der Koran keine aussage macht. hier hilft eben der persoenliche hintergrund des gesandten (s.a.s.), um weitere entscheidungshilfen zu bekommen.
desweiteren sind solche hadithen in gewisser weise viel anschaulicher. sie machen den "trockenen" stoff des Koran irgendwie erfahrbar.

aber nun gut. du hast deine meinung dazu und ich glaube auch, dass du mit deiner ansicht ganz gut faehrst. ich persoenlich habe ebenfalls meine meinung dazu, die ich mir auch lange ueberlegt habe und komme auch ganz gut zurecht. ich denke, das thema koennen wir soweit abschliessen.

>Leider gibt es keine Original-Abschriften der Evangelien in der Originalsprache mehr.

ich bin sicher, dass die muslime das am meisten bedauern.

>Aber der Inhalt der heutigen Evangelien sagt ja eigentlich nichts anderes als der Koran.

eine frage: siehst du die schriften des paulus als zum evangelium gehoerend? er ist naemlich der einzige in der gesamten bibel, der jesus als gottheit tituliert.

>Und zwar bei der Interpretation des Wortes „Auferstehung“. Da gibt es das Problem, dass das griechische, wie das aramäische Wort „Auferstehung“ gemäss einem Herkunftswörterbuch eigentlich „Überleben“ heisst. Wenn ich die gemeinten Bibelstellen mit dieser Auffassung lese, so weiss ich auch, warum und in welchem Befinden Jesus in Galiläa von seinen Jüngern und Anderen gesichtet wurde.

sehr interessant. danke.
ja die sprache ist manchmal heimtueckisch. "am anfang war das wort" steht bei johannes, wenn ich nicht irre. koennte aber auch heissen "am anfang war die vernunft". find ich persoenlich auch passender :-)

>Nun zurück zum Koran. Kann es trotz der exakten Überlieferung nicht auch sein, dass einige Stellen im Koran auf dieselbe weise falsch interpretiert wurden?

ja unbedingt. leider bin ich kein gelehrter und mein arabisch ist auch miserabel. aber ich wuerde gerne mal alle interpretationen lesen, die es so gibt. das problem ist wohl, dass ein menschenleben nicht ausreichen wird.

>Also kann man sich doch nicht darauf verlassen, auch wenn es ein Gelehrter ist und auf seine Weise etwas kommentiert?

man soll sich auch nicht darauf verlassen, was ein gelehrter sagt. einem hadith zufolge sagte der prophet (s.a.s.): "im irrtum ist sich meine umma (gemeinschaft) nicht einig." das heisst, dass man sich schon anschauen soll, was so die verschiedensten gelehrten sagen und da, wo die groesste uebereinstimmung herrscht, kann jedenfalls kein irrtum drin liegen. und nun schau dir die islamische welt an! wo ist sie sich denn noch einig? wenn man es genau nimmt, kommt man auf den islam in seinem ursprung zurueck: ein einiger Gott, muhammed (s.a.s.) ist ein gesandter, es gibt engel, heilige buecher, paradies und hoelle. viel mehr muss man ja tatsaechlich nicht wissen, wenn man verstand hat :-) der rest ergibt sich daraus wie von selbst.

>auch steht im Koran: "Gehorchet Allah und Seinem Gesandten!"
>wie kannst du einer solchen aufforderung nachkommen, wenn du vom leben des propheten (s.a.s.) nichts weisst?

>Es geht mir nicht darum, Mohammed zu ignorieren. Aber mir ist es wichtiger zu verstehen, wie die Gedankenwelt von Mohammed und all den anderen Gesandten aussah. Da das Wort „Gesandten“ in Mehrzahl gemeint ist, müsste ich doch auch die Betensform von Jesus und Abraham beachten? Jesus sagte die selben Worte über die Gesandten.

sorry ahmet. gemeint ist "gesandten" im singular (dativ).
aber sonst hast du prinzipiel recht. und wenn man sich die bibel anschaut, so kann man lesen, dass sich der eine oder andere gesandte Gottes sich zum gebet auf sein angesicht wirft, so wie es uns in der sunna ueberliefert ist.
aber wichtiger als die form des gebetes ist die absicht und reinheit, mit der man dabei herantritt. das geht ja schon aus der bibel hervor und wird im Koran bestaetigt.

>ja, habe ich. und ich sage dir hier, dass die qualitaet und sicherheit der ueberlieferungsketten tausender hadith, welche das leben des propheten und damit indirekt den Koran, erklaeren, viel hoeher ist, als es bei thora und evangelium der fall ist.
>Die Qualität und Sicherheit? Das mag schon sein. Aber als autoritäre Schrift würde ich selbst den Koran als Bestätigung zu den vorangegangenen heiligen Schriften den Anderen islamischen Kommentaren vorziehen.

meinst du, du wuerdest die evangelien trotz ihrer zweifelhaften herkunft (die sicher nicht in jedem fall falsch sein muss) den hadithen vorziehen, deren ueberlieferkette und wahrhaftigkeit als gesichert gelten?
im uebrigen sind hadith (ueberlieferungen von den spruechen und taten des propheten (s.a.s.)) und tafsir (Koranexegese) zwei unterschiedliche dinge. schau dir mal diese seite von bruder mustafa an: http://de.geocities(hier kommt ein punkt hin)com/hafis71/Islam-Lesebuch.htm. da gibt es viel interessantes hintergrundwissen zur islamischen sicht der der dinge.

>Genau, so ist es. Deshalb frage ich hier: Was meinst Du zu den Speisegeboten der Thora? Diese sind ja nicht verfälscht. Dürften Muslime wirklich das Fleisch von Kamelen und Hasen essen?

Sprich: "Ich finde in dem, was mir offenbart worden ist, nichts, was einem Essenden, der es essen möchte, verboten wäre, es sei denn von selbst Verendetes oder ausgeflossenes Blut oder Schweinefleisch - denn das ist eine Unreinheit oder ein Greuel, worüber ein anderer Name als der Allahs angerufen worden ist." Wenn aber jemand durch Not (dazu) getrieben wird und dabei keine Ungehorsamkeit oder Übertretung begeht, dann ist dein Herr Allverzeihend, Allbarmherzig. [Koran 6:145]

>eine der aufgaben von jesus (a.s.) war, den juden etwas zu erlauben, was ihnen scheinbar verboten war: die arbeit auf einem sonnabend (wie man weiss, heilte jesus an einem sabbath, was man ihn zum vorwurf machte).
>Bitte was? Jesus erlaubte….? Nein, er verwarf alles, was nicht dem Glauben der Väter entsprach. Also was nicht der Thora entsprach war falsch. Somit verwarf er die neuen Rituale und Gesetze der Pharisäer (Tempel-Juden bzw. Schriftgelehrten). Also war er auch einer, der die Menschen an die Religion Abrahams erinnerte.

das verbot der arbeit am sabbath ist aber dem dekalog zu entnehmen, oder? was die pharisaeer daraus gemacht haben, ist ein unbedingtes verbot. ein mir bekannter jude erzaehlte mal, dass juden, wenn sie es genau nehmen, am sonnabend kein lichtschalter betaetigen und kein klopapier benutzen duerfen. er selber nimmt's lockerer, sonst duerfte er nichtmal mit auto zur disco :-)
was jesus nun tat, war genau genommen keine erlaubnis sondern eine klarstellung. gut, insofern kann ich dir rechtgeben.

>…und im Koran steht gar, dass er ihnen einiges zu essen erlaubte, was zuvor untersagt war.
>Das ist interessant. So etwas ist mir nicht bekannt aus den Evangelien. Wo steht das im Koran?

es steht auch nicht in der bibel. im Koran findest du es folgendermassen:
Und Er (Gott) wird ihn (jesus (a.s.)) das Buch lehren und die Weisheit und die Thora und das Evangelium und wird ihn entsenden zu den Kindern Israels. (sprechen wird jesus:) "Seht, ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen. Seht, ich erschaffe für euch aus Ton die Gestalt eines Vogels und werde in sie hauchen, und sie soll mit Allahs Erlaubnis ein Vogel werden; und ich heile den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache die Toten mit Allahs Erlaubnis lebendig, und ich verkünde euch, was ihr esset und was ihr in eueren Häusern speichert. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für euch, wenn ihr gläubig seid. Und als ein Bestätiger der Thora, die vor mir da war, und um euch einen Teil von dem zu erlauben, was euch verboten war, bin ich zu euch gekommen mit einem Zeichen von eurem Herrn. So fürchtet Allah und gehorcht mir ; [3:48 bis 3:50] (klammern von mir)

ok. es gaebe sicher noch das eine oder andere zu schreiben. nur ist es spaet und ich bin muede. ich hoffe, du begnuegst dich mit meinen bescheidenen ausfuehrungen.

frieden.
nour iman






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