Zur Sonnenwend-Feier/Julfest (früher: Weihnacht)
Geschrieben von Peter am 23. Dezember 2002 23:30:39:
Sonnenwende-Betrachtung von Heinrich Heine
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
"Denn wenn die Hand des Kantianers stark und sicher zuschlägt, weil sein Herz von keiner traditionellen Ehrfurcht bewegt wird;
wenn der Fichteaner mutvoll jeder Gefahr trotzt, weil sie für ihn in der Realität gar nicht existiert;
so wird der Naturphilosoph dadurch furchtbar sein, daß er mit den ursprünglichen Gewalten der Natur in Verbindung tritt, daß er die dämonischen Kräfte des altgermanischen Pantheismus beschwören kann, und daß in ihm jene Kampflust erwacht, die wir bei den alten Deutschen finden und die nicht kämpft, um zu zerstören, noch um zu siegen, sondern bloß um zu kämpfen.
Das Christentum – und das ist schönstes Verdienst – hat jene brutale, germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören,
und wenn der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwut, wovon die nordischen Dichter so viel singen und sagen.
Die alten steinernen Götter erheben sich dann wieder aus dem verschollenen Schutt und reiben sich den tausendjährigen Staub aus den Augen, und Thor mit dem Riesenhammer springt endlich empor und zerschlägt die gotischen Dome."
Zitat aus:
Heines Werke in fünfzehn Teilen, hrsg. von Hermann und Helene Friedmann. Berlin (Bong) 1927; Neunter Teil, S. 165.